Lamdre: die Unterweisung vom Pfad und seiner Frucht
Lamdre ist einer der zentralen Unterweisungszyklen der Sakya-Tradition im tibetischen Buddhismus. Der tibetische Name bedeutet „der Pfad und seine Frucht“.

Dieser Beitrag erläutert den Ursprung und die Geschichte der Überlieferung, ohne eine Anleitung zur Praxis zu geben.
Was bedeutet „Pfad und Frucht“?
Der Name Lamdre verbindet den Pfad als Weg mit der Frucht als dessen Ergebnis. Er bezeichnet eine Sammlung von Unterweisungen, die in der Sakya-Tradition einen besonderen Rang einnimmt und systematisch von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Die textliche und lehrmäßige Grundlage des Zyklus ist das Hevajra-Tantra. Lamdre ist die überlieferte Form, in der dieser Text innerhalb der Sakya-Linie vermittelt und kommentiert wird. Die Inhalte der Unterweisung selbst sind nicht Gegenstand dieses Beitrags.
Virupa und die indischen Wurzeln
Der Ursprung des Zyklus wird auf den indischen Meister Virupa zurückgeführt, der in der Tradition als einer der indischen Mahasiddhas gilt. Auf ihn geht die Überlieferungslinie zurück, die später nach Tibet gelangte und zur Grundlage von Lamdre wurde.
Die Angaben zu Virupa stammen vor allem aus der religiösen Überlieferung. Aussagen über Einzelheiten seines Lebens sind daher als Darstellungen der Tradition zu verstehen, nicht als gesicherte historische Fakten.
Der Weg nach Tibet und die Familie Khön
Als Vermittler der Unterweisung nach Tibet gilt der Übersetzer Drogmi Shakya Yeshe, der um 1074 starb. Zu seinen Schülern gehörte Khön Könchok Gyalpo. Dessen Sohn Sachen Kunga Nyingpo (1092-1158) entwickelte die Überlieferung innerhalb der Familie Khön weiter.
Diese familiäre Weitergabe erklärt die enge Verbindung zwischen Lamdre und der Sakya-Tradition. Sachen Kunga Nyingpo verankerte die Unterweisung in einer festen, ununterbrochenen Meisterlinie.
Wie wird Lamdre weitergegeben?
Lamdre wird mündlich von Lehrer zu Schüler überliefert. Ergänzend gehören traditionell Kommentartexte dazu, die den Inhalt des Zyklus ordnen und erläutern. Ihre Lektüre ersetzt jedoch nicht die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler, die in dieser Tradition die Grundlage der Vermittlung bildet.
Lamdre ist deshalb nicht als Regelwerk zu verstehen, das sich allein aus Büchern erschließen lässt. Der Beitrag beschränkt sich auf den historischen Rahmen: die Bedeutung des Namens, die Grundlage im Hevajra-Tantra, die Rolle Virupas und die Überlieferung von Drogmi bis zur Familie Khön.